Glossar

Freiheit vs. Struktur

Die Freinet-Pädagogik bietet einen strukturierenden Rahmen, in dem sich die Lernenden frei entfalten können. So werden –> Morgenkreise, Arbeitspläne aus der –> Wochenplanarbeit, –> Wandzeitung usw. genutzt, um die gemeinsame und individuelle Arbeit zu strukturieren. Das Maß auf der Skala zwischen Freiheit und Struktur wird von Freinet-Pädagog:innen in Abhängigkeit von der Gruppe immer wieder neu festgesetzt. Das Ziel ist ein größtmögliches Maß an Freiheit, welches die Lernenden in gemeinsamer Verantwortung realisieren.

Gruppenrat

Der Gruppenrat ist das Pendent zum –> Klassenrat in Lerngruppen, die nicht in Klassen organisiert sind. Er kann in der KiTa, in Grund- und weiterführenden Schulen sowie in Erwachsenengruppen als Steuerungsinstrument für demokratischen Lernen genutzt werden.

Haltung

In der Freinet-Pädagogik ist der Blick auf meine eigene Haltung der Schlüssel zur pädagogischen Praxis. Ich schaue auf die Lernenden und nehme wahr, was sie können und mitbringen. So entdecke und festige ich mein Verständnis eines Lernens, das die Lernenden in den Mittelpunkt stellt. Ich bin als Freinet-Pädagog:in immer auch selbst Lernend:e(r). Indem ich eine Vielfalt von Wegen und Methoden zulasse, entsteht ein Lernprozess, der den Selbstwert und  das Selbstbewusssein stärkt. Durch die zunehmende Öffnung der Lernräume erfahre ich gemeinsam mit den Lernenden das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Als Freinet-Pädagog:in darf ich sein, wer ich bin. Ich nehme meine Umwelt und mein Umfeld wahr.Ich finde Sinn in dem, was ich tue. Ich darf neue Wege beschreiten, meine Rolle überdenken, ausprobieren, reflektieren, verwerfen und neue „Schätze“ sammeln. Diese Arbeit an meiner Haltung schafft mir Freude und Zufriedenheit in meinem Beruf. In der Lerngruppe erleben wir alle die Kraft der Gemeinschaft und profitieren von gelebter Demokratie.Die Ideen Freinets sind zeitlos und ebenso brandaktuell. Sie werden zu meiner pädagogischen Heimat.

Heterogenität

Die Vielfalt der Lerngruppe stellt eine selbstverständliche Bereicherung des Lernens dar. Jedes Thema des „Andersseins“ ist für die Lerngruppe eine Chance. Freinet nutzte beispielsweise die Herkunft eines Kindes aus einem anderen Land als Lernanlass für Fremdsprachenerwerb und kulturellem Austausch wie Kochaktionen o.Ä.

Inklusion

Inklusion meint die Einbeziehung aller Lernenden einer Gruppe in den Lernprozess. Die Inklusion nutzt die –> Heterogenität als Grundprinzip, um das Potenzial der Gruppe voll auszuschöpfen. Inklusive Pädagogik geht über die Integration hinaus, bei der vor allem Lernende mit Einschränkungen zwar in der Gemeinschaft, aber an anderen Themen und oft auch in getrennten Tischgruppen arbeiten.

intrinsich

Die intrinsiche (innere) Motivation ist der Motor eines Lernprozesses. Kinder bringen diese durch ihren Lernwillen, Forscher- und Entdeckergeist mit. Erwachsene haben oftmals ihre intrinsische Lernmotivation verloren, da sie durch ihre Erfahrungen im Bildungssystem häufig von extrinsischen (äußeren) Erwartungen und Bewertungen gesteuert werden. Eine Methode, um wieder zum inneren Lernwillen zu finden, ist die –> Natürliche Methode.

Jahrgangsmischung

Die Jahrgangsmischung ist eine Freinet-pädagogische Organisationsform. Da das Verständnis vom Lernen durch eine positive Haltung gegenüber der –> Heterogenität im Sinne der Vielfalt geprägt ist, kann man hiervon in jahrgangsgemischten Lerngruppen bewusst profitieren. In KiTas und in der Erwachsenenbildung ist die Jahrgangsmischung selbstverständlich. In Schulen findet häufig eine Jahrgangmischung in 2er- oder 3er-Stufen statt, z.B. eine Mischung der Klassenstufen 1-2 und 3-4 sowie 5-7 und 8-10. Durch diese Form der Mischung wird insbesondere bei Jugendlichen der Prozess der Pubertät konstruktiv auf die jüngeren und älteren Stufen verteilt. Die Lernenden übernehmen so jeweils Verantwortung gegenüber den jüngeren, können aber in Zeiten des Übergangs auch von der Hilfe der Älteren profitieren.

Jeux dramatiques

Die Jeux Dramatiques sind eine Theater-Methode, die in der Erarbeitungsphase auf die Sprache verzichtet und mit dem Einlassen und Vertiefen in sich selbst, seinem Tun und Wirken arbeitet. Die Spieler erleben im gemeinsamen Agieren Verständnis für sich und  Akzeptanz für die anderen.. Durch Bewegung und Gebärde kann inneres Erleben spielerisch ausgedrückt werden. Die Jeux Dramatiques sind eine Alternative zum klassischen Theater. Das Spiel ermöglicht Menschen jeden Alters, einen spielerischen Prozess zu einem Thema oder Text zu erleben.

Kaffee-Plenum

Das Kaffee-Plenum ist eine Form der Selbstorganisation bei Freinet-pädagogischen Treffen, Fortbildungen und Weiterbildungen. Hier wird die Arbeit von Kurzzeit- und Langzeitformen der –> Ateliers vorbereitet und organisatorisch begleitet. Im Sinne der –> Partizipation wird die Leitung des Kaffee-Plenums bewusst von den Organisierenden der Veranstaltung an die Teilnehmenden abgegeben.

Klassenkorrespondenz

Bei der Klassenkorrespondenz tritt eine Schulklasse mit einer anderen in einen regelmäßigen Austausch von Informationen ein.  Der Brief ist die traditionelle Form . E-Mail-Austausch, das Gestalten von Webseiten  oder Blogs sind die modernen Varianten.Die Sozialformen für die Klassenkorrespondenz können folgendermaßen aussehen:Eine Klasse schreibt einer anderen Klasse. Sie stellt sich, ihre Schule, ihre Region und so weiter vor.Kleingruppen aus einer Klasse schreiben einer Kleingruppe einer anderen Klasse.Individuelle Schüler schreiben einem anderen Schüler.